Das Thema Künstliche Intelligenz hat den Forschungsstandort Zürich auch dieses Jahr stark beschäftigt. Das zeigt sich unter anderem in der grossen Anzahl an Veranstaltungen, etwa der Reihe «KI-Kompass», die im Oktober 2025 von der ETH lanciert wurde. Ein aktuelles Beispiel für eine KI-basierte Anwendung ist die wissenschaftliche Suchmaschine Consensus, für welche die UB Zürich im Herbst 2025 eine circa einjährige Testphase gestartet hat (Dauer voraussichtlich bis Dezember 2026). An anderen Institutionen wie der ETH Zürich sowie der Universität Basel wurde der Dienst ebenfalls lizenziert. Für die Anwendung können sich Universitätsangehörige der UZH mit ihrer Mailadresse links unten auf der Webseite des Dienstes einschreiben (https://consensus.app/), wobei anschliessend ein Aktivierungscode versendet wird. Stand jetzt ist es nicht möglich, ein Konto mit Passwort einzurichten; bei jedem Logout und erneuten Login wird stattdessen ein neuer Aktivierungscode verschickt.
Bei Consensus handelt es sich nicht um einen KI-basierten Chatbot, sondern um eine KI-betriebene wissenschaftliche Suchmaschine, die Antworten auf aktuelle Forschungsfragen liefern will. Dazu werden zahlreiche Aussagen aus wissenschaftlichen Artikeln extrahiert, auf ihre Forschungsqualität hin überprüft und schliesslich in einer zusammenhängenden Antwort gebündelt. Gemäss eigenen Angaben greift Consensus dabei auf über 200 Millionen Dokumente zu, wobei die Anwendung täglich aktualisiert wird. Als Quelle für die Aggregierung der Daten dienen in erster Linie Semantic Scholar, OpenAlex sowie eigene Webcrawls. Für die Überprüfung der Forschungsqualität wird nach den folgenden drei Schritten verfahren:
- Sortierung nach Aktualität der ausgewählten Artikel
- Zählung der Zitationen eines Artikels
- Berücksichtigung von Reputation und Impact der Zeitschrift, in welcher ein Artikel erschienen ist
Für die finale Ausgabe der Antwort werden schliesslich 20 Artikel nach Relevanz und Präzision ausgewählt und gerankt, wobei ebenfalls KI zum Einsatz kommt. Diese werden rechts neben der ausgegebenen Antwort aufgelistet und zusätzlich mit einem sogenannten Key Takeaway versehen, welches die Kernaussage des jeweiligen Artikels zusammenfasst.
Benutzeroberfläche und Funktionen
Die Benutzeroberfläche von Consensus ist grundsätzlich in englischer Sprache gehalten. Es ist jedoch möglich, Suchanfragen in deutscher Sprache einzugeben; entsprechend erscheint auch die Antwort dazu auf Deutsch. Die Liste mit den relevantesten Artikeln auf der rechten Seite erscheint aber auch in diesem Fall auf Englisch, ebenso die Key Takeaways. Ein grosser Pluspunkt sind die verschiedenen Filter, die bereits vor der eigentlichen Suchanfrage eingestellt werden können (beispielsweise nach Erscheinungszeitraum, Erscheinungsland, Studiengebiet, Open Access-Publikationen, etc.). Die Filter können auch in natürlicher Sprache in die Suchanfrage eingebaut werden (z.B. «Suche für den Zeitraum…»). Auch bei der Anzeige der relevantesten Artikel stehen vielfältige Optionen zur Verfügung: So werden existierende PDFs der Artikel stets angezeigt, auch die Zitationen lassen sich in verschiedenen gängigen Formaten wie APA extrahieren. Die angezeigten Artikel können ausserdem direkt für eine weiterführende Suche verwendet werden.
Kritische Betrachtung
Bei der Nutzung gilt es aber auch einige Punkte kritisch zu betrachten: So liegt der konzeptionelle Schwerpunkt von Consensus auf der Auswertung wissenschaftlicher Zeitschriftenartikel. Dies hat zur Folge, dass Forschungsgebiete, in denen Publikationen in monografischer Form geläufiger sind, tendenziell schlechter abgedeckt werden. Die Geisteswissenschaften dürften hiervon stärker betroffen sein als die Naturwissenschaften, bei welchen die Publikation in wissenschaftlichen Fachjournalen die Regel ist. Zudem sind auch bei Consensus Halluzinationen der KI nicht gänzlich ausgeschlossen, wie auf dem Blog der Homepage nachzulesen ist: https://consensus.app/home/blog/welcome-to-consensus/ (Abschnitt How Consensus Deals With Hallucinations). Eine kritische Prüfung der Ergebnisse bleibt daher in jedem Fall Aufgabe der Nutzenden.
Insgesamt bietet Consensus eine solide Basis für einen ersten Zugang zu aktuellen Forschungsthemen, der Studierende wie Forschende bei der Suche nach relevanten Fachartikeln unterstützen kann. Wie sich die Suchmaschine im Vergleich mit anderen Diensten wie Google Scholar behauptet, wird sich zeigen müssen. Alle Liaison Librarians sind herzlich eingeladen, Consensus ausführlich zu testen und sich ein eigenes Bild von dessen Funktionalitäten zu machen. Feedback ist ab sofort unter folgendem Link möglich.